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Miriam Holzapfel im Gespräch mit Karlheinz Geißler über Takt, Rhythmus und den Charme von Wartezeiten

(Text weiter unten auf Englisch)

Herr Professor Geißler, wir waren für 11 Uhr verabredet und eigentlich hatte ich mich beeilt, um auf die Minute pünktlich zu sein. Vor ihrem Haus kamen mir dann Zweifel: Legen Sie auf eine solche Pünktlichkeit überhaupt Wert?

Nun, Sie sehen es ja: Ich sitze im Rollstuhl, weil ich früher Kinderlähmung hatte. Bis vor zehn Jahren konnte ich zwar noch gehen, aber ich konnte nie aus eigener Kraft beschleunigen, ich konnte nie schnell sein, mich nie sehr beeilen. Ein solches Leben setzt voraus, dass man verschiedene Zeitformen leben kann: Man muss warten können, Pausen aushalten, man muss langsam sein können – und all diese Zeitformen produktiv machen. Und deshalb ist Pünktlichkeit eine Kategorie, die für mich nicht wichtig ist.

Aber wie verabreden Sie sich dann?
Ich mache keine Zeitpunktverabredungen, sondern Verabredungen für Zeiträume. Ich sage: Kommen Sie so zwischen 11 Uhr und 12 Uhr oder kommen Sie am späten Vormittag. So machen das übrigens auch Naturvölker und andere Gesellschaften, die wirtschaftlich nicht ganz so prosperieren. Oft finden wir das sehr reizvoll, denken Sie an Italien, wo man es mit der Pünktlichkeit auf die Minute auch nicht ganz so genau nimmt. Und doch organisiert sich unsere Gesellschaft in der Regel streng nach der Uhr.

Wie organisieren Sie denn Ihren Tag, wenn nicht nach der Uhr?
Gerade wenn man keine Uhr nutzt, bekommt man irgendwann ein sehr gutes Gefühl dafür, wie spät es ist. Und das reicht mir. Ich schaue zur Sonne und weiß, welche Tageszeit es ist und ich fühle, wenn Mittag ist oder wenn die Zeit für eine bestimmte Handlung gekommen ist. Bevor ich mich am Morgen an den Computer setze, koche ich mir beispielsweise erst einen Espresso. Solche Rituale strukturieren meinen Tag und ich weiß immer, an welcher Stelle ich mich gerade befinde und welche Phase als nächstes kommt.

Reicht dieses Gefühl aus, um beispielsweise einen Zug zu bekommen? Der fährt ja genau zu einem bestimmten Zeitpunkt ab und nicht nur so ungefähr.
Na, so ist es ja eben gerade nicht. Die Bahn ist eine sehr elastische Organisation, was Zeit betrifft, sie ist ein Scheinriese im Hinblick auf Pünktlichkeit. Viele Leute erreichen einen Zug nur deshalb, weil er verspätet ist. Wenn ich von Frankfurt nach München fahren will, und das kommt öfter vor, dann begebe ich mich zum Bahnhof, wenn ich bereit bin, und meistens kommt ein Zug früher, als ich es erwarte. Und sicher erreiche ich am Ende der Reise meinen Zielort – darauf kommt es an. Pünktlichkeit ist eine Sache, die man gerade bei Zugreisen lieber nicht erwarten sollte. Beim Autofahren macht man das ja auch nicht, dass man eine Ankunft nach langer Fahrt auf die Minute genau einhält. Ich habe eine Zeitlang den deutschen Bahnvorstand beraten und immer dazu geraten, nicht ausgerechnet mit Pünktlichkeit fürs Bahnfahren zu werben, denn das produziert permanent Enttäuschung. Wichtig ist, dass die Bahn überhaupt fährt, dass sie sicher ist und einen gewissen Komfort bietet. Unsere Gesellschaft erfordert doch sonst auch sehr viel Flexibilität und aus einer gewissen Unpünktlichkeit ergeben sich überall Chancen. Das Warten auf einen Zug beispielsweise kann sehr produktiv sein, der Philosoph Walter Benjamin hat es einmal ungefähr so formuliert: Je länger ich warten muss, desto schöner werden die Frauen.

Zuletzt hat die Corona-Pandemie sehr viel Warte- und Pausenzeiten mit sich gebracht, die viele Menschen eher weniger schön fanden. Wie haben Sie als Zeitforscher diese Phase der Entschleunigung erlebt?
Natürlich war das sehr spannend für mich. Das Interessante ist, dass die Pandemie eine besonders radikale Form des Ausbremsens gewesen ist. Allerdings wurde die Gesellschaft als solche dabei gar nicht wirklich entschleunigt. Zwar hat in vielen Bereichen des Lebens die Geschwindigkeit abgenommen, viele Menschen mussten morgens nicht mehr schnell aus dem Haus oder auf dem Weg nach Hause rasch noch etwas einkaufen. Auf der anderen Seite gab es aber auf einmal ganz neue zeitliche Belastungen, der Arbeitsalltag wurde sehr verdichtet: Alles musste neu koordiniert werden, man musste für sich selbst eine Festlegung treffen, wann man morgens aufsteht, wann man mit der Arbeit anfängt und wann man eine Pause macht, um sich um Haushalt oder Familie zu kümmern. Es sind in der Pandemie viel mehr Zeitentscheidungen zu treffen gewesen und nicht etwa weniger, nur weil das gesellschaftliche Leben insgesamt ausgebremst wurde. Und man muss erst einmal lernen, wie man das überhaupt macht, wie man sich organisiert und wie man Familienleben und Arbeitsleben voneinander trennt.

Wie gelingt es mir, wieder mehr nach der eigenen Ordnung zu leben?
Na, indem ich mich nicht immer nach der Uhr richte. Die Uhr ist eine bestimmte Form von Ordnung und wenn ich sie ablege, organisiere ich meine Zeit wieder selbst, nicht mehr nach einem Gerät ausgerichtet, sondern nach der jeweiligen Situation. Anders ausgedrückt: Ich muss nach Zeitqualitäten leben – die Uhr zeigt aber nur Quantität. Beispielweise beginnt die Schule immer um acht, egal, ob die Kinder noch müde sind oder nicht. Das ist überhaupt nicht sinnvoll. Besser wäre es, wenn Kinder morgens dann in die Schule gehen könnten, wenn sie auch wirklich lernfähig sind, wenn man also in den Schulen ein Gleitzeitmodell einführen würde. Kinder und Eltern wären dann aufgefordert, die Zeiten des eigenen Körpers als Maßstab zu nehmen und nicht die der Uhr. Wenn man so will, war dies ein Vorteil der Pandemie: Dass die formalen Strukturen größtenteils weggefallen sind und man zu einer eigenen Ordnung finden konnte. Dafür sind Rituale hilfreich, sonst steht man am Ende am Kochtopf und rührt mit dem Smartphone um, weil man gedanklich noch bei der Arbeit ist. Es braucht im Laufe eines Tages jeweils Distanz zum Vorangegangenen und die bekommt man, indem man Übergänge organisiert und Pausen macht. Wo es aber nicht gelingt, eine eigene Ordnung zu schaffen, entsteht Stress.

Insgesamt ist es ja so, dass Schnelligkeit im Arbeitsleben in aller Regel gern gesehen ist, während Langsamkeit oft als Makel interpretiert wird. Hat die Schnelligkeit ihren guten Ruf zu Unrecht?
Das finde ich nicht. Der Schnelligkeit ist viel zu verdanken und es ist verständlich, dass die Ökonomie auf Schnelligkeit setzt, weil dort eben Zeit in Geld verrechnet wird. Wenn Sie kein Geld verlieren wollen, müssen Sie beschleunigen. Und das führt letztlich zu volkswirtschaftlichem Wachstum. Die Schnelligkeit hat also großartige Vorteile, sie macht uns wohlhabend: Dort, wo es sehr, sehr schnell gehen muss, wird am meisten Geld verdient, an der Börse zum Beispiel. Es gibt im Finanzwesen keine Zeit, die nicht in Geld verrechnet wird. Umgekehrt ist es so, dass das, was man nicht beschleunigen kann, meist nicht besonders gut bezahlt wird, Pflege zum Beispiel. Das alles hat aber Grenzen und man muss sehen, an welcher Stelle Schnelligkeit wirklich sinnvoll oder notwendig ist. Der Mensch kann nicht permanent nur beschleunigen, denn Beschleunigung verbraucht Ressourcen. Für ein wirklich gutes Leben benötigen wir auch Zeiten, die nicht in Geld verrechnet werden können. Diese Zeiten sind ebenfalls überaus wichtig und produktiv. Man kann beispielsweise nicht dauerhaft den Schlaf verkürzen, wenn man sich gut fühlen will. Also, Wohlstand entsteht durch Schnelligkeit, aber wirkliche Zufriedenheit kommt durch Langsamkeit.

 

Das heißt, man sollte die eine Zeitform nicht grundsätzlich der anderen vorziehen?
Aber nein! Ich bin für Vielfalt, auch in der Zeit. Es gibt viele Zeitformen und alle haben etwas Produktives, sonst gäbe es sie nicht. Wir müssen daher schauen, welche Produktivkraft in den verschiedenen Zeitformen jeweils liegt und wie wir zu einer Zeitorganisation kommen, die uns zufriedenstellt. Das heißt, wir müssen zwischen Takt und Rhythmus unterscheiden. Wenn wir uns nach der Uhr organisieren, organisieren wir nach Takt – und der kann beschleunigt werden. Takt heißt Wiederholung ohne Abweichung: Jede Stunde ist gleich lang und wenn eine Stunde nicht gleich lang ist, ist die Uhr kaputt. In der Natur ist das anders, sie ist rhythmisch organisiert und daran können wir uns orientieren: Im Winter sind andere Zeiten angesagt als im Sommer, die Tage sind je nach Jahreszeit unterschiedlich lang, es gibt Ruhephasen und Beschleunigung und alle Phasen haben ihre Berechtigung und ihre Dauer. Es gibt deshalb kein Volk auf der Erde, das keinen Rhythmus hätte, das nicht tanzt und singt. Aber es gibt viele Völker ohne Uhr.

Das bedeutet, dass dem Menschen Rhythmus eingeschrieben ist, Takt aber nicht?
Genau, jedes Leben ist rhythmisch. Und wenn es Zeitprobleme gibt, ist immer Rhythmus die Lösung. Ich bin deshalb auch für eine Verteilung des Ruhestands auf das gesamte Leben. Das könnte so aussehen, dass wir längere Urlaube machen oder dass Eltern Erziehungszeiten nehmen. Das wird ja bereits in einigen Staaten unterstützt und finanziert, das sind wirksame symbolische Handlungen, die in Richtung einer Gesellschaft weisen, die die Vielfalt von Zeiten anerkennt. Auch im Hinblick auf den Klimawandel ist das eine wichtige Forderung: Wir müssen sehr schnell zu mehr Langsamkeit kommen.

Nicht nur Langsamkeit, auch das Warten ist den meisten Menschen sehr unangenehm. Warum ist das so?
Es gibt unterschiedliche Formen des Wartens. Es gibt ein Warten, das sehr lästig ist: Wenn jemand anderes uns warten lässt, denn das ist immer mit Herrschaft verbunden. Da sitzt man dann in Vorzimmern oder auf langen Gängen oder an zugigen Orten und fühlt sich der Organisation eines anderen ausgeliefert. Es gibt aber auch ein Warten, das hochproduktiv ist. Ein Bauer, der gut warten kann, bekommt die besten Äpfel oder die besten Kartoffeln. Da gibt es nichts zu beschleunigen. Auch das erzwungene Warten, weil der Zug vielleicht eben doch noch nicht kommt oder weil es einen Sturm gibt, kann durch andere Dinge kompensiert werden, durch Sozialkontakte etwa, die uns guttun. Man kann zum Beispiel Wartezeit nutzen, um endlich wieder jemanden anzurufen, mit dem man lange nicht gesprochen hat oder man sucht das Gespräch mit jemandem, der sich ebenfalls in dieser Situation befindet. Oder man atmen einfach mal durch.

Zeit wird also als angenehmer erlebt, wenn ich mich auf die jeweilige Situation einlasse, anstatt mich abzulenken?
Ja, auf die jeweilige Situation und auf die Zeitformen, die die verschiedenen Situationen uns anbieten. Natürlich gibt es Zeiten, da muss man einfach schnell sein und das ist völlig in Ordnung. Es gibt aber auch andere Zeiten, wo das nicht notwendig ist. Und das sollte man erkennen und unterscheiden können, dafür sollte man ein Gefühl entwickeln. Es geht darum, eine Verbindung mit der Umgebung herzustellen, mit dem sozialen Raum und mit der Natur. Wenn das gelingt, dann geht es uns gut, in welcher Zeitform auch immer.

Miriam Holzapfel hat Kulturwissenschaften studiert und arbeitet als Redakteurin und Autorin.

 

 

 

 

Slow down! Pronto!

 

Miriam Holzapfel talks to Karlheinz Geißler about timing, rhythm and the allure of having to wait

Professor Geißler, we had an appointment for 11 a.m. and I had actually rushed to make sure I would be on time. But when I reached your front door, I started to have doubts. Is punctuality important for you at all?
Well, as you can see: I’m in a wheelchair because I contracted polio as a child. Ten years ago I could still walk, but I could never accelerate my stride under my own steam. Speed was out of the question. I could never really hurry. A life like mine forces you to view time through a different prism. You need to learn how to wait, to tolerate lulls in activity, periods of respite; you need the ability to accept a leisurely pace – and to make all of this passing time productive. And for those reasons, no: punctuality is not key to the way I think.

How do you arrange to meet others then?
I don’t make appointments for specific times. I make them for specific periods. I say, “Drop by between 11 and noon,” or “Come in the late morning.” Incidentally, primitive peoples and other societies do just that, ones that aren’t quite as affluent. We often find this very appealing, just think of Italy where they don’t take punctuality so seriously. Broadly speaking, time is a constraint on our society.

If you don’t go by the clock, how do you manage your schedule?
At some point you develop a very good feel for passing time, especially if you don’t clock-watch. And that’s good enough for me. I look at the sun and know what time of day it is. I can sense when it’s midday or when it’s time to do something specific. For example, I make myself an espresso of a morning before settling down at my computer. Rituals like that help me structure my day, and I always know which point I have reached and which phase is up next.

Is this sense of time good enough to catch trains, for example? They don’t depart at an approximate time, they leave on the dot.
Well that’s simply not true. Rail services are very elastic time-wise. Their punctuality is an illusion. Often enough, people only catch trains because they have been delayed. If I want to travel from Frankfurt to Munich, which I do quite frequently, then I head for the station when I’m ready and usually a train comes earlier than I expect. I’m sure to arrive at my destination eventually – and that’s the main thing. Punctuality is not something you should count on, especially if you are traveling by train. Car users certainly don’t expect to arrive right on schedule at the end of a long drive. I was a consultant for the German Railways Board for a while and always told them not to feature punctuality in their advertising – because it always prompts disappointment. What matters is that the train is actually running, is safe and offers a modicum of comfort. In other respects, our society demands a great deal of flexibility, and a little tardiness creates all kinds of opportunities. Waiting for a train, for example, can be very productive. The philosopher Walter Benjamin once put it roughly like this: the longer I have to stand around, the more attractive the women become.

More recently, Covid-19 has resulted in lots of pauses, intervals and waiting – which plenty of people likely found less attractive. As a student of time, how did you experience this slowdown?
That was obviously a very fascinating time for me. The interesting thing is that the pandemic slammed the brakes on society with so little warning. However, the speed of society didn’t really decline as such. True, the pace slowed in many areas: lots of people no longer had to rush out in the morning or dive into a shop on the way home. But, on the other hand, there were suddenly completely new time pressures, as the working day became very condensed. Everything had to be recalibrated, you had to decide for yourself when to get up, when to start work and when to take a break to care for a member of your family or household. Many more time-related decisions had to be made during the pandemic, not fewer. For the simple reason that life in our society had slowed down. And you have to learn how to do all that from scratch, how to organize your own life, and how to keep your personal and professional spheres separate.

How can I learn to live more in sync with my own inner clock?
Well, by not always checking your watch. Watches impose certain strictures and, when I take mine off, I am free to dispose of my time as I see fit again. To allocate it according to the demands of situations, rather than starting and stopping when my watch says its time. Put differently, I have to structure my time according to its quality – whereas clocks only show the quantity. For example, schools always start at 8 a.m. in Germany, regardless of whether the children are still tired or not. That makes no sense whatsoever. It would be better for school days to begin when kids are genuinely capable of learning, i.e. if a kind of flextime was introduced. Children and parents would then be asked to consult their own body clocks, rather than the ones on the wall. If you like, this has been one advantage of the pandemic: that formal structures have largely been suppressed and people can rediscover their natural rhythms. Rituals are helpful in this respect. Otherwise you can end up standing at the stove and stirring the soup with your cellphone – because your head is still crammed full of work. During the course of a day, you need to leave the previous day behind. And you can do that best by defining transitions and taking breaks. If you don’t succeed in managing your own time, higher stress levels are the inevitable outcome.

Overall, speed is welcomed in our workaday world, whereas slowness is often seen as a failing. Is speed’s positive reputation unjustified?
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Not in my view. We owe a lot to speed and it is understandable for commerce to prioritize it – because in that domain time literally is money. You have to pick up the pace if you don’t want to lose out. Ultimately, that generates economic growth. So speed has fantastic benefits, it makes us affluent. The most money can be earned where speed is absolutely paramount, where things have to happen very, very quickly. On the stock market, for example. In the world of finance, all time is charged monetarily. Conversely, things that can’t be accelerated are not typically paid very well. Caring for others, for example. But there are limitations to all of this, and you have to look closely – to see where speed really is necessary and makes sense. Humans can’t keep accelerating the whole time, because acceleration consumes resources. To enjoy really rewarding lives, we also need times that cannot be counted as a cost. These times too are extremely important and productive. For example, you can’t permanently cut back on sleep if you want to feel fit. So while speed is the source of prosperity, real satisfaction derives from slowness.

 

You mean, we shouldn’t fundamentally prioritize one type of time over the other?
Absolutely not! I’m a fan of diversity, even when it comes to time. There are lots of different types of time and all of them have something to offer. Otherwise they wouldn’t exist. So we need to work out which type offers which productive benefit, and how we can best create a mix that we find fulfilling. Put differently, we need to distinguish between the beat and the rhythm. If we base our schedules on clocks, we structure it by beat – and that can be accelerated. Beat means repetition without deviation: every hour is the same length and if one isn’t, it means you need a new clock. Things work differently in the natural world. Nature is structured by its rhythms, and we can align ourselves with them accordingly. Different times are required in winter and summer. The days vary in length, depending on the season. There are rest phases and periods of acceleration, and they all have their legitimacy and duration. For this reason, there are no peoples on earth who completely lack rhythm, who don’t sing and dance. But there are plenty who don’t own clocks.

Does that mean that we are born with rhythm, that– unlike beat –it is innate to us?
Exactly, all life is rhythmical. And when time problems arise, rhythm always offers the solution. That’s why I’m also an advocate of distributing our retirements over our entire lives. That could mean taking longer vacations or parents taking more time off to care for their children. Some countries are already supporting and financing these effective and symbolic actions, actions that single out those societies that acknowledge the diversity of time. It’s also an important weapon against climate change. We need more slowness. Pronto!

It isn’t just slowness that most people dislike. The same also applies to waiting. Why is that?
Waiting takes different forms. One type is very aggravating: when somebody else makes us wait, because that’s always about exploiting power they have to control you. You end up sitting in an antechamber, a long corridor or drafty room, and feel like you are under the thumb of that person’s organization. But there’s another kind of waiting, one that is highly productive. Farmers with an abundance of patience harvest the best apples and potatoes. There’s nothing that can be accelerated there. Even involuntary waiting – because a train hasn’t arrived or a storm is blowing over – can be compensated by other things that are beneficial for us. That includes engaging with others. For example, rather than wasting the time, you can use it to call someone you haven’t heard from for ages, or you can chat to somebody else in the same predicament. Or you can simply take a nice, deep breath.

So I experience time as more pleasant if I embrace the situation at hand, rather than trying to extricate myself from it? Is that right?
Yes, we need to accept such situations and the various types of time each one offers us. Of course, there will always be occasions when speed is imperative, and that’s absolutely fine. But there are others when it is redundant. And we need to recognize that, and learn to distinguish between them. And to develop a feel for time. It’s about connecting with our environment, with our social space and with Nature. If we succeed, that makes us happy – no matter what type of time it is.

Miriam Holzapfel studied Cultural Studies and works as an editor and copywriter.