Was ist Zeitberatung?

Ziel von Zeitberatung ist es, Kompetenzen im produktiven und zufriedenstellenden Umgang mit der Zeit zu entwickeln – sogenannte Zeitkompetenzen.

Zeitkompetenzen sind vor allem:

  • Die Fähigkeit, die zeitliche Perspektive einzunehmen und aus ihr heraus zu beobachten und zu intervenieren.
  • Ein zeitgemäßes Verständnis von Zeit zu entwickeln.
  • Vielfältige Zeiten und deren Anforderungen und Spielräume produktiv zu koordinieren.
  • Zeitprobleme genau zu analysieren und passende Optimierungen zu erarbeiten und umzusetzen.

Es gibt nichts, das nicht zeitlich ist. Auch jedes Problem hat seine zeitliche Seite. Zeitberatung macht die Zeit zum Thema und setzt an der Zeitlichkeit an. Durch die Verzeitlichung z.B. von Problemen oder Ressourcen wird eine ganzheitliche, systemische Perspektive gefördert. Zeitprobleme werden kontextualisiert. Ursachen lassen sich hierdurch differenzierter ermitteln und passgenaue Entwicklungsmaßnahmen entwickeln.

Zeitberatung ist Zeit-gemäße Beratung. Sie richtet sich nach aktuellen gesellschaftlichen Trends wie der Vergleichzeitigung von Arbeitsabläufen, zunehmender Flexibilisierung, gestiegene Ansprüche an Erreichbarkeit und Aktivität und entwickelt Optimierungen für Probleme, die aus diesen Trends entstehen.

 

 

Was bringt Zeitberatung?

Ziel der Beratung ist die Steigerung von Arbeits- und Lebenszeitqualität, mehr Zeit-Zufriedenheit und damit eine erhöhte Produktivität.

Für Organisationen bedeutet dies, Strategien und Strukturen für eine produktive Zeitkultur zu entwickeln. Im besonderen gilt dies bei Veränderungsprozessen.

Gruppen und Teams entwickeln beispielsweise Kompetenzen zu mehr Verbindlichkeit, mehr zeitlicher Orientierung und einem produktiveren Umgang mit Störungen.

Bei Einzelpersonen steht die Entwicklung der persönlichen Zeitkompetenz und der Zeitsouveränität (Souveränität im Zeithandeln) im Zentrum.

Das heisst vor allem, die Entwicklung der Kompetenzen zur produktiven und situationsgerechten Koordination vielfältiger Zeiten.

Weitere Zeitkompetenzen, die entwickelt werden sind u.a.

  • Die Sensibilität für Zeitvielfalt, Zeitqualitäten, Zeitmuster, Zeitformen und deren Zusammenspiel.
  • Eine förderliche Haltung gegenüber der Zeit, die als Grundlage für Zeit-gemäßes Handeln dient.
  • Der angemessener Umgang mit zeitlichen Anforderungen.
  • Die Kompetenz im Analysieren und Bearbeiten von (Zeit-)Problemen.
  • Die wirkungsvolle Nutzung von zeitlichen Spielräumen.
  • Die Reflexionsfähigkeit bezüglich der eigenen zeitlichen Situation und des eigenen zeitlichen Handelns.
  • Die Kompetenzen in der Entwicklung und Umsetzung von zeitlich wirksamen Handlungsalternativen.
  • Das Erkennen, Akzeptieren und setzen von Grenzen.
  • Das Gestalten von Übergänge, Anfängen und Abschlüssen.
  • Die Kompetenz im Treffen von Zeitentscheidungen, im Auswählen und Verzichten.
  • Die Sensibilität für die zeitlichen Konsequenzen von Entscheidungen.
  • Die kontinuierliche Optimierung von zeitlichen Situationen.

 

 

Warum ist Zeitberatung nötig?

Weil sich die Zeiten ändern.
Und wir uns mit ihnen ändern.
Heute tun wir immer mehr gleichzeitig.
Mal freiwillig, mal gezwungenermaßen.

Warum tun wir das?
Weil sich uns hierdurch viele neue Möglichkeiten des Handelns und Erlebens erschließen. Wir dürfen und können häufiger entscheiden, haben eine größere Auswahl, kommen weiter herum, kurzum: wir können und müssen mehr tun, aber auch mehr lassen. Dafür zahlen wir einen Preis. Den etikettieren wir mit Vorliebe als „Zeitproblem“. Wir klagen über Hetze, werden immer rastloser und unruhiger, können nicht mehr Innehalten und immer häufiger belästigt uns das Gefühl, vieles zu verpassen. Salopp gesagt: Wir sind geschafft, weil wir’s immer häufiger nicht schaffen.

Das bestätigen auch Untersuchungen: die Hälfte der Erwerbstätigen fühlt sich bei ihrer Arbeit unter hohem psychischen Druck, meist unter Zeitdruck. Das führt, wie der Gesundheitsreport einer großen Deutschen Krankenkasse 2009 feststellt, zu Schlafstörungen, depressiver Verstimmung, Nervosität und Konzentrationsproblemen.

Zeitberatung ist die passende Methode, um in einer Welt mit gesteigerten sozialen und individuellen Anforderungen und Möglichkeiten die zeitliche Orientierung zurück zu gewinnen.

 

 

Wie sieht Zeitberatung aus?

Zeitberatung richtet sich an Einzelpersonen, Gruppen/Teams und Organisationen. Sie kann als einmalige Beratung, oder auch als begleitende Prozessberatung durchgeführt werden. Zeitberatung arbeitet fall- und situationsbezogen und findet in verschiedenen Settings statt.

  • als Einzelberatung und Coaching
  • als Praxisberatung in Gruppen
  • in Form von Trainings und Workshops
  • als Maßnahme der Organisationsentwicklung
  • als Impuls in Form von Vorträgen

Beispielthemen für Zeitberatung

 

  • Sich Abgrenzen gegenüber zeitlichen Anforderungen, Zeitinseln schaffen.
  • Umgang mit Zeitdruck, Umgang mit Informationsflut, ständiger Erreichbarkeit, Störungen.
  • Arbeitszeitkontrolle, Überstunden, Flexibilität und ihre Folgen.
  • Orientierung schaffen, Aufgaben planen, rhythmische Aufgabenorganisation, Ziele, Prioritäten, Anfänge, Abschlüsse, Übergänge und Ritualen.
  • Qualität von Zeitvielfalt entdecken und produktiv machen: Pausen, Warten, Langsamkeit, persönliche Zeitqualitäten und Ressourcen-Zeiten.
  • Gestaltung von Übergängen.
  • Umgang mit Beschleunigung: Zeitsparfalle, Nutzen und Last von Beschleunigung.
  • Führung und Zeit: Zeitkompetenz als Führungsfähigkeit, Beratung von F.K.´s für optimiertes Zeithandeln.
  • Treffen von Zeitentscheidungen, Auswählen, produktives Verzichten.
  • Zeitenkoordination und zeitliche Regelungen in Teams.
  • Angemessene Abgrenzungen gegenüber zeitlichen Anforderungen.
  • Produktive Koordination zeitlicher Spielräume.
  • u.a.m.

 

 

Wann ist Zeitberatung notwendig?

Zeitberatung fällt immer dann an, wenn es um Zeit geht.
Doch wann geht es nicht um Zeit?

Etwas konkreter.

Zeitberatungsbedarf fällt u.a. an:

  • wo es um die Reduktion von Zeitnot, Hetze, und Zeitkonflikten geht.
  • bei der Veränderung der Arbeitszeiten und der Arbeitszeitregelungen
    (z.B. Einführung von Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Schichtarbeit, Nachtarbeit).
  • bei Maßnahmen zur Beschleunigung von Abläufen und Arbeitsprozessen
    (z.B. Einführung neuer Technologien und organisatorischer Veränderungen).
  • bei Maßnahmen zur Life-Balance, bei Stress- und Burn-Out-Prophylaxe, Achtsamkeits- und Selbstwirksamkeits-Initiativen.
  • bei Zeitkoordination und Ablauforganisation im Rahmen von Team- und Projektentwicklungsmaßnahmen.
  • bei der Förderung der Zeitkompetenz z.B. von Führungskräften.
  • bei der Entwicklung der Zeitkultur von Organisationen und Unternehmen.
  • im Zuge von Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements.
  • bei gravierenden Veränderungen der Arbeits- und Lebenssituation
    (z.B. Eintritt in das Berufsleben, in den Ruhestand, Jobwechsel, Umorientierung).
  • bei der Ausweitung und Verlagerung der Produktions- und Geschäftstätigkeiten in ungewohnte, „fremde“ Zeitkulturen.
  • bei der Vorbereitung von Auslandseinsätzen von Mitarbeitern und bei der
    Rückkehr nach längeren Auslandsaufenthalten.
  • bei persönlichen Veränderungen, die Auswirkungen auf das Zeithandeln haben (z.B. Familiengründung).

Zeitberatung ist generell dort sinnvoll, wo Entscheidungen über Zeit, speziell über die Veränderung von Zeitregelungen und Zeitgewohnheiten getroffen werden – besser: bevor sie getroffen werden. Sie unterstützt Zeitprobleme frühzeitig zu erkennen, um erfolgsversprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

 

 

Zeitberatung brauchen Sie zum Beispiel wenn…

Sie sollten Ihr Leben ändern oder Zeitberatung anfragen, wenn Ihnen folgendes passiert:

 

  • Wenn Sie von Ihrer Arbeit nach Hause kommen und noch vor dem Licht den Fernseher einschalten.
  • Wenn Sie wieder mal von einer Ihrer Geschäftsreisen zurückkommen, sich schlafen legen und das Schokoladentäfelchen auf Ihrem Kopfkissen vermissen.
  • Wenn Sie, am Bahnsteig stehend, im Büro anrufen, um sich zu erkundigen, wohin die Reise gehen soll.
  • Wenn beim Kochen das Telefon klingelt, Sie den Kochlöffel ans Ohr halten und mit dem Telefon die Spagettisauce umrühren.
  • Wenn der Chef bereits während des Zähneputzens anruft, um Ihnen auf leeren Magen den Tagesplan mitzuteilen.
  • Wenn Sie das Glockengeläut der nahen Kirche mit dem Klingeln Ihres Telefons verwechseln.
  • Wenn Ihr letzter Blick am Abend und der erste am Morgen nicht Ihren schlafenden Kindern, sondern dem Display Ihres Smartphones gilt.
  • Wenn Sie sich nicht mehr ohne Mobiltelefon aus dem Haus trauen.
  • Wenn ihre Endorphine beim Eingang einer E-Mail in Hochstimmung geraten, und wenn das nicht der Fall ist, sich Verlassenheitsängste einstellen.
  • Wenn Sie während der Mahlzeiten telefonieren und sich nach dem Essen fragen, was Sie eigentlich auf dem Teller hatten.
  • Wenn Sie während Sie mit Ihren Kindern spielen, gedanklich Ihre ToDo-Liste durchgehen.
  • Wenn Sie in Panik geraten, sobald der Akku Ihres Mobiltelefons sich dem Ende neigt und keine Steckdose in Reichweite ist.

 

Wann und wozu brauchen Personen, Gruppe, oder Organisationen Zeitberatung?

  • Wenn sie keine Zeit für andere Formen der Beratung finden, dann ist das ein erstes Indiz dafür, dass Zeitberatung sinnvoll sein könnte. 
  • Wenn Sie sich getrieben und gehetzt fühlen und das Gefühl nicht loswerden, ständig unter Zeitdruck zu leben und zu arbeiten, dann ist dies ein Ausgangspunkt, sich der Situation aus zeitlicher Sicht zu nähern. 
  • Wenn in Teams und Organisationen das Thema Zeit viel Raum und Zeit einnimmt, für allerlei Begründungen und Entschuldigungen herhalten muss, dann ist es sinnvoll, den sich dahinter womöglich verbergenden Problemlagen zunächst von der zeitlichen Seite her anzunähern. 
  • Wenn das Thema Zeit mehr Zeit in Anspruch nimmt als die eigentlichen Tätigkeiten beim Leben und Arbeiten, dann lohnt sich ein prüfender Blick auf dieses Thema. 
  • Wenn Sie bereits alle Formen und Varianten von Zeitmanagement erfolglos ausprobiert haben, probieren Sie’s doch mal mit Zeitberatung

 

 

Hinweise für bessere Zeiten

Obwohl wir gegen ad-hoc Ratschläge und How-To´s im Umgang mit Zeit sind, lassen sich doch einige Tips geben, wie man das eigene Zeitverhalten optimieren kann.

 

  • Leben Sie viele Zeiten, schnelle und langsame.
  • Das Schnelle ist nicht immer gut, das Langsame nicht immer schlecht.
  • Wer schnell ist sieht das Ziel, wer langsam ist, den Weg.
  • Alles hat seine Zeit. Geben Sie den Dingen die Zeit, die sie benötigen.
  • Qualität braucht Langsamkeit, Kreativität und Innovation brauchen Umwege.
  • Warten kann sich lohnen.
  • Pausen sind keine überflüssigen Zeitlöcher.
  • Umwege erhöhen die Ortskenntnis.
  • Beschleunigung und Flexibilität benötigen Stabilität.
  • Zeit sollte nicht immer und überall in Geld verrechnet werden.
  • Nicht alle gewonnene Zeit in neue Beschleunigung investieren.
  • Vertreiben Sie nicht die Langeweile, sie öffnet das Tor zur Muße.
  • Leben und arbeiten Sie rhythmisch.
  • Orientieren Sie sich an dem Rhythmus Ihrer eigenen Zeitnatur.
  • Setzen Sie Maßstäbe für das „Genug.“
  • Pflegen Sie Routinen und Rituale – sie entlasten und stabilisieren.
  • Gestalten Sie bewusst Übergangszeiten, z.B. Anfänge und Abschlüsse.
  • Lernen Sie gut zu verpassen. Je mehr möglich ist, desto mehr verpassen Sie.
  • Hören Sie auf Zeit zu sparen.
  • Wenn Sie etwas beschleunigen, legen Sie auch fest, was Sie mit der frei gewordenen Zeit machen werden.

In ähnlicher Form gibt es diese Hinweise zum nachlesen oder weiter verbreiten auf der Website www.zeit-rat.de